30 Jahre Jobvermittlung - Rückblick & Jubiläumsaktion

Jubiläums-Aktion am 5. Juli zwischen 14 und 16 Uhr vor den Räumlichkeiten der Jobvermittlung in der Goethestraße 6.

Die Anfänge

Martina Lindhorst (li.) war die erste Leiterin der bei der Jobvermittlung.

Schon kurz nach der Wiedergründung des Studentenwerkes Leipzig am 1. Juli 1991 gab es die Idee, eine studentische Arbeitsvermittlung aufzubauen. Nach einiger Recherche in Berlin, wo es bereits eine Arbeitsvermittlung des Studentenwerkes gab, wurde im Oktober 1992 die Jobvermittlung des Studentenwerks Leipzig, wie wir sie heute kennen, gegründet. Zunächst noch in Kooperation mit dem Arbeitsamt, bei dem sich die Nachfrage von Studierenden nach Verdienstmöglichkeiten gehäuft hatte.

Mit der studentischen Jobvermittlung war das Studentenwerk Leipzig – neben Berlin – eines der ersten ostdeutschen Studentenwerke mit diesem Angebot nach der Wende. 

Die ersten Aufträge ließen nicht lange auf sich warten. Die Jobangebote wurden handgeschrieben auf A4-Seiten an einer Pinnwand ausgehängt. Bereits in der ersten Woche konnte an 100 Studierende ein Nebenverdienst vermittelt werden. Ein Beispiel: Der "Kohlenmann" suchte Unterstützung bei bei der Belieferung der Haushalte mit Braunkohle.

Wurzeln bereits vor 100 Jahren

Studentischer Plakatträger 1989 (c) Universitätsarchiv Leipzig / Fotograf: Armin Kühne

Ein Blick in die Historie des Studentenwerkes Leipzig zeigt, dass es bereits zur Gründungszeit in den 1920er Jahren eine Arbeitsvermittlung gab, die an das Amt für studentische Fürsorge angegliedert war und ausschließlich von Studierenden geleitet wurde. Eine Stellensuchkartei ermöglichte eine individuelle Vermittlung, zusätzlich gab es Aushänge am Schwarzen Brett an verschiedenen Stellen der Universität Leipzig. Ein berühmter Nutznießer der Arbeitsvermittlung war Erich Kästner, der sein Examen in Leipzig machte und sich während der Messe "als wandelnde Plakatsäule ein paar Mark" dazuverdiente.

In der Chronik des Studentenwerkes heißt es: "Während an anderen Hochschulen für die Ferienzeit mit Vorliebe körperliche Arbeit (Werft, Oelwerk, Landwirtschaft usw.) gewählt wird, bevorzugen die Leipziger Studierenden bei weitem Kontor-, Büro- und Bankarbeit." Aber auch Stellen im Bergwerk, in der Landwirtschaft und Fabrik wurden gesucht.

Eine weitere Nebenverdienstmöglichkeit für Studierende der 1920er und 30er Jahre war das Akademische Übersetzer- und Dolmetscherbüro – kurz Aküdo. Zwischen 100-150 Mitarbeiter:innen arbeiteten dort regelmäßig, vor allem Studierende. Das Aküdo bot Übersetzungen in 32 Sprachen an; vor allem zu Messezeiten waren die studentischen Übersetzer:innen unverzichtbar.

Veränderte Jobprofile

Jobs in der Gastronomie wurden mit den Jahren immer beliebter bei den Studierenden.

Das Jobprofil hat sich seit der Gründung der Jobvermittlung enorm verändert. In den 1990er Jahren dominierten Bau- und Baunebenjobs. In Leipzig standen zu dieser Zeit bis zu 800 Kräne auf den Baustellen, und viele Aufträge waren unmittelbar mit dem Baugeschehen in der Stadt verbunden. Vor allem körperlich schwere Arbeiten waren an der Tagesordnung: Zementsäcke schleppen, Gipskartonplatten vom Erdgeschoss nach oben tragen – und die Studierenden rissen sich um die wenigen Angebote.

Beliebt waren auch Jobs im Gastronomiebereich, in Callcentern oder auf Messen. Mit den Jahren veränderten sich die Anforderungen, immer mehr Fachkenntnisse waren gefragt, die auch in engem Zusammenhang mit dem Studium standen wie etwa Informatik, Medizin oder BWL. So wurden beispielsweise Medizin-Studierende als Beifahrer:innen beim Krankentransport gesucht, insbesondere für die Nachtschichten. Für den Confederations Cup in Deutschland wurden 160 Studierende über die Jobvermittlung des Studentenwerkes gefunden. Ein Studierender durfte vor vielen Jahren für drei Wochen im Ritz Carlton auf Mallorca arbeiten. Weihnachtsmänner und Weihnachtsengel, kulturelle Beiträge auf Familienfeiern – es gab und gibt immer kuriose Jobangebote, die bei der Jobvermittlung eingehen. Mit der vielfältigen Bandbreite unterscheidet sich die Jobvermittlung des Studentenwerkes deutlich von anderen Angeboten. Dauerbrenner sind nach wie vor Jobs wie Babysitting, Nachhilfe, Büroarbeiten und Unterstützung beim Umzug, in Haus oder Garten .

Jobvermittlung heute

Susann Pianski-Lehmann (li.), bei der Arbeit in der Jobvermittlung.

Heute ticken die Uhren der Jobvermittlung "digital". Wo früher mittels Aushängen an Pinnwänden Jobs angeboten wurden und Karteikarten für die Anmeldung notwendig waren, funktioniert heute nahezu alles online. Arbeitgeber:innen und Studierende melden sich im Jobportal auf der Webseite des Studentenwerkes an, um Jobs zu inserieren oder zu suchen.

"Die Studierenden haben seit der Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse weniger Zeit zur Verfügung, einem Job nachzugehen", erklärt Susann Pianski-Lehmann, die mittlerweile seit zehn Jahren in der Jobvermittlung arbeitet. Aus der Nachfrage könne man schließen, dass zu Beginn des Studiums kurzzeitige, einmalige Angebote gefragt sind und anspruchsvollere, fachbezogene und auch zeitintensivere Jobs meist von Studierenden in höheren Semestern realisiert würden, resümiert Susann Pianski-Lehmann.  

In den vergangenen 30 Jahren seit Gründung der Jobvermittlung kamen rund 280.000 erfolgreiche Jobvermittlungen zusammen; zudem 150.000 Nutzer:innen, 40.000 aktive Arbeitgeber:innen und 100.000 Jobangebote.

Jubiläumsaktion

Das Jubiläum feiern wir am 5. Juli 2022 zwischen 14 und 16 Uhr vor den Räumlichkeiten der Jobvermittlung in der Goethestraße 6 mit einem Infostand, Cookies und Getränken. Eingeladen sind nicht nur Studierende sondern auch Arbeitgeber:innen, die über die Jobvermittlung studentische Arbeitskräfte anheuern. Bei einem Kaltgetränk oder Kaffee können Studierende das Team der Jobvermittlung persönlich kennenlernen und das eine oder andere Jobangebot ergattern.